Geschäfte von morgen brau­chen kein Personal

Foto: Nathália Rosa / Unsplash

ICH! ALLES! GLEICH!

Die böse Seite des Einzelhandels

 

12.10.2021- Alles verfügbar und sofort. Während in Deutschland derzeit über ausbeuterische Arbeitsbedingungen bei Lebensmittel-Lieferdiensten wie Gorilla oder Lieferando diskutiert wird, zeigt eine ARTE-Dokumentation, wie in Zukunft die Distribution und der Verkauf von Lebensmitteln abläuft.

 

Jahr­zehn­te­lang beherrschten große Super­markt­ketten den globalen Lebens­mit­tel­markt. Doch allmäh­lich scheint ihr Geschäfts­mo­dell über­holt: Ein harter Preis­krieg zwischen den Einzel­händ­lern und die Ankunft digi­taler Groß­kon­zerne wie Amazon und Alibaba stürzen Super­markt­ketten in eine immer tiefere Krise. Seit den 1960er Jahren gelten große Super­markt­kon­zerne als die großen Player am Markt — bis Amazon und andere Online-Händler kamen. Im Zuge eines erbit­terten Preis­kriegs zwischen den Einzel­händ­lern setzen die Konzerne auf immer aggres­si­vere kommer­zi­elle Verhand­lungs­me­thoden zu Lasten der Liefe­ranten, Land­wirte und Hersteller, und verlassen dabei oftmals die Grenzen der Euro­päi­schen Rechtsordnung.

Amazon und Co füttern die Welt – und sich mit Daten

Doch nicht nur zwischen den Super­markt­kon­zernen herrscht ein erbit­terter Geschäfts­kampf: Seit der Ankunft digi­taler Groß­kon­zerne, wie Amazon und Alibaba, müssen sich Super­märkte auch gegen­über neuen Akteuren behaupten, die expo­nen­tiell in den Lebens­mit­tel­sektor inves­tieren und das Geschäft der histo­ri­schen Konzerne zuse­hends bedrohen. In den Verei­nigten Staaten hat Amazon eine eigene Super­markt­kette eröffnet, um seine Geschäfts­ri­valen Walmart und Target auszu­ste­chen und den ameri­ka­ni­schen Lebens­mit­tel­markt zu erobern. In China inves­tieren Alibaba und JD.com in verschie­dene Bereiche der Lebens­mit­tel­ver­sor­gungs­kette. Sie eröffnen eigene Geflügel‑, Obst- und Gemü­se­f­armen und ersetzen dabei mensch­liche Arbeits­kräfte durch Maschinen, die von Künst­li­cher Intel­li­genz betrieben werden. In Frank­reich geht der Konzern Carre­four ohne jede Kauf­mann­sehre gegen jeden Liefe­ranten vor, der die Preis­drü­ckerei nicht hinnimmt. Selbst Nestlé knickte ein. 

Total­über­wa­chung – Erpres­sung – Arbeits­ver­träge ohne jede Moral

Amazon unter­hält in den USA derzeit 28 Super­märkte – fast ohne Personal weil voll­di­gital. In neun Jahren sollen es 3000 sein. Alles wird der Konzern dann über uns wissen. Denn unser Einkaufs­ver­halten verrät viel nicht nur über unsere Konsum­ge­wohn­heiten, sondern auch über unseren Alltag, unsere Wünsche, Probleme, Krank­heiten und Träume. Und keiner weiss wo die Daten landen, von wem sie verwertet und mißbraucht werden.


Welche Auswir­kungen hat eine derar­tige Handels­re­vo­lu­tion auf die Beschäf­ti­gungs­be­din­gungen, die Qualität unserer Lebens­mittel und die Zukunft unseres Planeten? Anhand seltener Zeugen­aus­sagen und Doku­mente führt der Doku­men­tar­film hinter die Kulissen der Konsum­tempel und ihr mora­lisch verwerf­li­ches Geschäft.

Die Doku­men­ta­tion ist erst­mals am 12.10.2021 um 20.15 Uhr auf Arte TV zu sehen, danach in der Arte Media­thek verfügbar. 

 

 

 

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