Offener Brief der Sonntagsallianz

an die Kanzlerkandidat*innen

25. Juni 2021. Die Allianz für den freien Sonntag wendet sich vor der Bundestagswahl in einem offenen Brief an die Kanzlerkandidatin und Kanzlerkandidaten von CDU/CSU, SPD und Grünen mit der Aufforderung, sich für die Bewahrung des grundgesetzlich garantierten Schutzes des arbeitsfreien Sonntags einzusetzen. Wir dokumentieren den Wortlaut des Schreibens.

Sehr geehrte Frau Baer­bock,
sehr geehrte Herren Laschet und Scholz,

der arbeits­freie Sonntag hat in unserem Land und darüber hinaus eine lange Tradi­tion. Schon vor genau 1700 Jahren hat der römi­sche Kaiser Konstantin per Edikt die Arbeits­ruhe an diesem Tag ange­ordnet, in der Weimarer Reichs­ver­fas­sung und als Über­nahme daraus im Grund­ge­setz der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land wurde fest­ge­legt, dass der Sonntag und die staat­lich aner­kannten Feier­tage „als Tage der Arbeits­ruhe und der seeli­schen Erhe­bung gesetz­lich geschützt“ bleiben.

Als „Allianz für den freien Sonntag“, in der sich ver.di Handel und katho­li­sche und evan­ge­li­sche Verbände zusam­men­ge­schlossen haben, setzen wir uns für die Bewah­rung dieser Errun­gen­schaft ein.

Der arbeits­freie Sonntag ist mehr als „nur“ ein Ruhetag. Der Sonntag ist der gemein­same feste Zeit­anker unserer Gesell­schaft. Der Sonntag bedeutet Ruhe, Familie, Loslassen, Durch­atmen und für die nächste Woche Kräfte tanken. Am Sonntag kommt die „Arbeits- und Konsum­ge­sell­schaft“ zur Ruhe, die Menschen können gemeinsam freie Zeit mitein­ander verbringen.

Mit großer Sorge verfolgen wir jedoch die Versuche von Lobby­gruppen und Arbeit­ge­ber­ver­bänden, den Schutz des arbeits­freien Sonn­tags aufzu­wei­chen und in diesem Punkt das Grund­ge­setz unseres Landes in Frage zu stellen. So hat der Handels­ver­band Deutsch­land (HDE) vor wenigen Tagen eine gene­relle Öffnung des statio­nären Einzel­han­dels an Sonn­tagen bis Jahres­ende gefor­dert und dies mit den wirt­schaft­li­chen Folgen der Pandemie begründet.

Die Menschen können jedoch jeden Euro nur einmal ausgeben. Die Erfah­rung der vergan­genen Jahre, in denen die Laden­öff­nungs­zeiten immer weiter ausge­dehnt wurden, zeigt, dass durch Sonn­tags­öff­nungen Umsätze ledig­lich von der Woche auf das Wochen­ende verschoben werden, wobei zugleich höhere Kosten für das Offen­halten der Geschäfte zu Buche tragen. Auf diese Weise würde ledig­lich der in der Branche bereits laufende Verdrän­gungs- und Vernich­tungs­wett­be­werb ange­heizt, von dem nur wenige große Konzerne profitieren.

Die Forde­rung des HDE und anderer Orga­ni­sa­tionen hätte auch für Millionen Beschäf­tigte und deren Fami­lien im Einzel- und Versand­handel und in der Folge auch im Groß- und Außen­handel schwer­wie­gende Folgen. Ange­sichts der in den vergan­genen Jahr­zehnten immer weiter ausge­dehnten Auswei­tung und „Flexi­bi­li­sie­rung“ der Laden­öff­nungs­zeiten in die Abend- und Nacht­stunden und damit der Bean­spru­chung der Beschäf­tigten ist der Sonntag der letzte Tag der Woche, an dem die Beschäf­tigten darauf vertrauen können, Zeit für sich selbst und ihre Fami­lien zu haben.

Wenn der Sonntag zum Werktag wird, hat das drama­ti­sche Auswir­kungen auch auf Kultur, Sport, Vereins­leben, Reli­gi­ons­aus­übung und Frei­zeit­ak­ti­vi­täten. Denn wenn es keinen gemein­samen Tag wie den Sonntag mehr gibt, an dem sich die Menschen verab­reden und zusam­men­kommen können, wird die oftmals beklagte Verein­ze­lung in unserer Gesell­schaft weiter zunehmen.

Es ist in unserer Gesell­schaft Konsens, dass es Berufe gibt, in denen die Sonn­tags­ruhe nicht einzu­halten ist, weil sie für das Leben, die Sicher­heit und den Schutz der Menschen unver­zichtbar sind, etwa Pfle­ge­rinnen und Pfleger in den Kran­ken­häu­sern und der ambu­lanten Pflege, Ange­hö­rige der Rettungs­dienste, Feuer­wehr­leute, Poli­zis­tinnen und Poli­zisten. Zudem gibt es Menschen, die arbeiten müssen, damit von allen anderen der Sonntag als freier Tag gelebt und genossen werden kann. Jede Auswei­tung darüber hinaus ist nicht notwendig und wird von uns abgelehnt.

Wir schreiben Ihnen dies, weil Sie von Ihren Parteien als Kanz­ler­kan­di­datin und Kanz­ler­kan­di­daten aufge­stellt wurden und nach der Bundes­tags­wahl im September die Regie­rung über­nehmen möchten. Wir würden uns über Ihre zeit­nahe Antwort freuen, wie Sie sich im Falle Ihrer Wahl für die Bewah­rung des aus gutem Grund im Grund­ge­setz geschützten arbeits­freien Sonn­tags einsetzen werden.

Mit freund­li­chen Grüßen

im Namen der Allianz für den freien Sonntag

Stefanie Nutzen­berger, Mitglied des ver.di-Bundesvorstands
Stefan Eirich, KAB-Bundes­präses
Gudrun Nolte, KWA-Vorsit­zende
Chris­tian Bindl, Leitung Betriebsseelsorge

 

Den Brief finden Sie hier zum Down­load: Offener Brief der Sonntagsallianz

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Der Sonntag ist der gemein­same feste Zeit­anker unserer Gesell­schaft. Der Sonntag bedeutet Ruhe, Familie, Loslassen, Durch­atmen und für die nächste Woche Kräfte tanken. Am Sonntag kommt die „Arbeits- und Konsum­ge­sell­schaft“ zur Ruhe, die Menschen können gemeinsam freie Zeit mitein­ander verbringen.

 

 

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