Technik und Muße — ein Widerspruch?

Foto: S. Sabali / Unsplash

 

 

Revolution! Sonntag 14. November

 

Was dieser Sonntag mit einem Mikro-Chip und dem Godes­berger Programm gemeinsam hat

 

Ein kleines Elektronenhirn hat vor auf den Tag genau 50 Jahren unser Leben gehörig umgekrempelt. Mit dem Modell 4004 bringt Intel den ersten in Serie produzierten und auf dem freien Markt erhältlichen Ein-Chip-Mikroprozessor in den Handel. Heute geht Alltag dank Computerisierung so: Die Pulsuhr am Arm, Alexa kauf ein! Und wo verdammt ist mein Handy?

Die Macht der Inter­net­kon­zerne – schon 1959 ein Thema

Die Wirt­schaft liefert — und liefert uns an sich und andere aus! Man mag sich gar nicht vorstellen, wenn Daten­ströme, die unser Leben ab-trans­por­tieren, einmal in grossem Stil geknackt würden, über Konti­nente hinweg? Und Dikta­turen und andere Krimi­nelle sind sicher auch dran. Gleich­zeitig müssen wir der Technik vertrauen, Leben, wie wir es gewohnt sind, wäre nur schwer ohne sie möglich. Umso notwen­diger sind Kontroll­me­cha­nismen, wer welche Daten sammelt und was er oder sie damit macht, wenn wir künftig auch noch voll­ver­netzte Einkaufs­wagen vor uns herschieben, die unsere Konsum­ge­wohn­heiten bis ins Detail aufzeichnen.  Den Verfas­sern des Godes­berger Programms, das heute vor 62 Jahren veröf­fent­licht wurde, war nicht bewußt, welche Auswir­kungen die Daten­sam­melei auf den Handel und die Arbeit­neh­mer­rechte haben werden, schreiben aber ganz klar: 

Wenn private wirt­schaft­liche Macht zur Gefahr für den Wett­be­werb und die Demo­kratie zu werden drohe, sei öffent­liche Kontrolle durch Inves­ti­ti­ons­kon­trollen, durch Kartell­ge­setze und durch den Wett­be­werb von privaten und gemein­wirt­schaft­li­chen Unter­nehmen geboten. Allein wenn eine „gesunde Ordnung der wirt­schaft­li­chen Macht­ver­hält­nisse“ nicht gewähr­leistet werden könne, habe Gemein­ei­gentum Berechtigung. 

Heute umfasst Gemein­ei­gentum längst nicht mehr allein mate­ri­elle Güter. Auch Daten, ja sogar kultu­relles Gemein­ei­gentum wie Sonn- und Feier­tage bedürfen gerade in dieser Zeit staat­li­chem Schutz und Fürsorge – die aber in großen Teilen noch fehlt, wie alle an der Markt­macht von Google, Amazon, und Meta (Face­book) sehen können. 

Arbeits­er­leich­te­rung oder ‑verla­ge­rung?

Betrachtet man die Gesamt­lage, sind die welt­weiten compu­te­ri­sierten Systeme, wenn­gleich zwar hoch­an­fällig,  aber erstaun­lich effi­zient. Was der Mensch in den wenigen Jahren des Compu­ter­zeit­al­ters erreicht hat, ist wirk­lich unglaub­lich. Wohl kaum jemand wird auf die vielen Vorteile dank Technik verzichten wollen. Sie soll ja unser Leben ange­nehmer und schöner machen und uns Arbeit abnehmen. Ob das aber immer so stimmt…?

Genau das aber ist das Verspre­chen des Sonn­tags. Er ist der Tag in der Woche, wo Sie tatsäch­lich alles einge­löst bekommen. Umsonst und garan­tiert Woche für Woche frei Haus: Keine oder wenig Arbeit, pausieren, so lange man will, Neues auspro­bieren und sehen, hören, lesen, fühlen, schme­cken. Live und in echt. Musse finden!

Einfach mal: runter- und abschalten. (Geht beim Mikro­chip übri­gens auch!)

 

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